Abwechslungsreicher Individualurlaub auf Teneriffa
Kurz vor Mittag startete unser Flug nach Teneriffa Süd. Nach 4,5 Stunden waren wir dem unangenehmen Wetter Deutschlands in den ewigen Frühling entflohen. Schon der Temperaturunterschied zwischen Flugzeuginnenraum (Klimaanlage) und der Inselluft beim Aussteigen weckte die ersten richtigen Urlaubsgefühle in mir. Die Aussicht aus dem Bus auf der kurzen Fahrt zu unserer Unterkunft in El Médano erzeugte erst besorgte Blicke bei mir und meiner Freundin, denn die Landschaft an der südlichen Küstenlinie sieht nicht gerade einladend aus. Überall liegen Geröll und große Steine, als ob jemand seinen Bauschutt abgeladen hätte. Der Busfahrer konnte uns aber erklären, dass dies der normale Anblick in dieser Region sei. Das Vulkangestein lässt bei den warmen Temperaturen nur wenigen robusten Pflanzen Raum zum Leben. Viele andere Teile der Insel seien aber sehr grün und auch bezüglich der Artenvielfalt sehr vielfältig. Immerhin sind auf dieser Insel aufgrund von „El Teide“, dem höchsten Bergs Spaniens, fast alle Klimazonen und somit auch deren Vegetation auf engstem Raum vorhanden.
In der Unterkunft angekommen, stellten wir nur kurz unsere Taschen ab und gingen in den Ort, um diesen zu erkunden. Der Strand direkt am Marktplatz ist nicht mit denen der Ostsee vergleichbar, da der feine Vulkanstaub, aus dem er besteht, eine dunkle Färbung hervorruft, wie man es von einem Strand nicht gewohnt ist. Barfuss fühlt er sich aber genauso, wenn nicht gar besser an. Was dem Strand fehlt, macht die Aussicht und das Wasser mindestens wieder wett. Wenn man sich vorstellt, dass man sich gerade mitten im Atlantik befindet, das Wasser die Füße umspült und den fast 3720 m hohen Teide mit Schnee auf der Kuppe sieht, wenn man sich umdreht, dann kann man von Urlaub sprechen!
Der 2. Tag begann mit einer geführten Wander-Tour zur „Masca-Schlucht“. Während der Busfahrt konnte ich erkennen, dass die Landschaft mehr bietet, als ich gestern bei der Ankunft sehen konnte. Der erste Teil der Fahrt über die Autobahn war sehr gemütlich, der letzte Teil jedoch ist nichts mehr für schwache Nerven. Das Dorf Masca, nach welchem auch die Schlucht benannt ist, befindet sich nämlich mitten IN der Schlucht. Und da muss man erstmal hinkommen. Die kleine Straße zum Ort schien mir genauso breit zu sein wie der Bus. Auf der einen Straßenseite ging es 100 m in den Abgrund, auf der anderen 100 m nach oben. Trotzdem sind immer alle entgegenkommende Autos an uns vorbei gekommen, so dass wir letztendlich gut in Masca ankamen.
Die Tour durch die Masca-Schlucht ist atemberaubend. Hier herrscht ein Klima wie in den Tropen. Die Schlucht ist sehr grün mit vielen Palmen, Farnen und bizarren Felsformationen. Der Abstieg bis zum Meer ist sehr aufregend, da man immer tiefer zwischen die Felswände gelangt, die kurz vor dem Ende bis zu 600 m rechts und links in die Höhe ragen. Der Strand bei Masca ist sehr schön. Ich habe noch nie so klares Wasser wie dort gesehen. Man kann mehrere Meter in die Tiefe schauen und das Wasser schillert traumhaft türkis. Von einem in der Bucht gelegenen Felsen, der über einen kleinen Steg erreichbar ist, sind wir sofort ins Meer gesprungen. Das Atlantikwasser ist natürlich salziger als Nord- und Ostsee und brennt anfangs ein bisschen in den Augen. Ein Boot brachte uns nach dem erfrischenden Bad nach Los Gigantes, wo wir noch einen Kaffee trinken konnten, während der ACTIVIDA-Guide den Bus zurück nach El Médano organisierte. Abends zurück sind wir sofort ins Bett gefallen und zufrieden eingeschlafen.
Am nächsten Tag haben wir im Ort Souveniers gekauft (besonders die hier produzierten Zigarillos haben es mir angetan) und uns am Strand erholt.
Am darauf folgenden Morgen entschloss ich mich, meine Surfkünste unter Beweis zu stellen. Ich mietete mir kurzerhand ein Brett bei der örtlichen Surfschule und folgte den Winden. El Médano ist eines der besten Winsurf- und Kitereviere der Welt. Den ganzen Tag auf dem Wasser macht natürlich Hunger, so dass wir am Abend die örtlichen Lokalitäten testen wollten. Wir haben schnell ein Restaurant gefunden, in dem es wunderbaren, frischen gegrillten Fisch gab. Auch die typisch kanarische Beilage zu fast allen Speisen „papas arrugadas“ (kleine Kartoffeln mit Schale und Salzkruste) ist sehr empfehlenswert. Dazu passen auch die pikanten, typisch kanarischen Soßen „mojo rojo“ und „mojo verde“.
Der 5. Tag sollte uns mit ACTIVIDA TOURS auf den „Montaña Roja“ ein bisschen außerhalb des Ortes führen. Der kleine Berg ist zwar nur 178 m hoch, erfordert aber trotzdem etwas Geschick zum Besteigen. Der Weg ist teilweise steinig und windet sich den Berg hoch, so dass Auf- und Abstieg über eine Stunde in Anspruch nehmen. Von dort oben hat man eine grandiose Aussicht über den Ort, das Meer und einen großen Teil der südlichen Insel. Der Flughafen und die umliegenden Ortschaften und der große Strand auf der anderen Seite des Berges sind zu sehen. Nach dem Abstieg sind wir gleich zu diesem Strand gelaufen, der wesentlich breiter und länger als der in El Médano ist. Es stehen Sonnenliegen mit kleinen Schirmen zur Verfügung. Wir beschlossen, den Rest des Tages hier zu verbringen. Später erfuhren wir, dass dieser Strand eigentlich nur ein Geheimtipp der Ortsansässigen ist, so dass dort nur wenige Touristen anzutreffen sind.
Am nächsten Tag erwartete uns eine grandiose Tour auf den „Pico del Teide“ – Spaniens höchster Berg. Der Höhenunterschied von 0 m in El Médano und 2300 m auf dem Hochplateau um den Teide ist in nicht einmal 1,5 Stunden zu überwinden. Auf dieser Fahrt habe ich weitere Teile der Artenvielfalt sehen können. Durch Kakteenfelder, Plantagen, kleine Ortschaften und dichte Pinienwälder ging es in vielen Kurven dem Krater entgegen. Am Fuße des Teides angekommen, kann man einen Teil der restlichen 1200 m zum Glück mit der Seilbahn zurücklegen, nur die letzten 200 m sind zu Fuß zu überwinden. Mir war vorher natürlich nicht bewusst, dass die Luft hier oben schon so dünn ist. Obwohl ich sagen kann, dass wir regelmäßig Sport treiben und fit sind. So kommt man hier schon nach 100 m gehen (!) ziemlich außer Atem. Die Luft enthält einfach weniger Sauerstoff, als eigentlich vom Körper bei dieser leichten Anstrengung benötigt wird. Wir sind trotzdem oben angekommen und hatten den besten Ausblick, den man sich vorstellen kann. Allerdings wurde mir kurzzeitig meine Neugier zum Verhängnis, als ich überprüfen wollte, was es mit dem Dampf aus den Erdlöchern auf sich hat. Ich habe meine Hand zu schnell und weit in Richtung eines Loches gestreckt, als dass ich rechtzeitig merken konnte, dass dies natürlich heißer Schwefeldampf sein muss. Immerhin befinden wir uns auf einem Vulkan! Der Schmerz ließ aber schnell wieder nach, da die Luft an sich hier oben alles andere als warm ist. Hier liegt ja sogar Schnee! Bleibende Schäden habe ich auch nicht davon getragen.
Nun wieder zum Ausblick. Man kann vom höchsten Punkt aus wirklich die komplette Insel überblicken. Unbeschreiblich! So konnte ich auch erkennen, dass der Busfahrer Recht hatte, als er sagte, dass die Nordseite wesentlich grüner ist. Einige der Nachbarinseln waren auch zu sehen: La Palma, La Gomera und Gran Canaria. Wenn man genau hingesehen hat, konnte man sogar die flachen Umrisse von Fuerteventura erkennen. Auch dieser Tag ging also ereignisreich zu Ende und wir fielen zufrieden ins Bett.
Leider war unser Urlaub jetzt schon zu Ende und der Abschied fiel uns schwer. Wir beschlossen noch vor Ort, das nächste Mal mit etwas mehr Zeit wieder zu kommen und weitere Ecken der Insel zu entdecken. Wir haben vom urischen und wilden Anaga-Gebirge im Nordosten, den wunderschönen Städten Puerto de la Cruz und La Laguna im Norden gehört, die nächstes Mal auf jeden Fall auf unserer Liste stehen.

